Monatsarchiv für November 2007

Vom Professor der Philologie zum Oligarchen oder das TRIO

turnvater am Donnerstag, den 29. November 2007

Alexander Mashkevich, Alijan Ibragimov und Patokh Chodiev sind drei Oligarchen, welche als das Trio bekannt sind. Sie kontrollieren die Eurasian National Resources Corporation, bekannt als Eurasian Group, welche eine bedeutende Rolle in der Rohstoffgewinnung in Kasachstan spielt. Interessant ist dabei, daß keiner der drei Kasache ist: Mashkevich ist Kirgise und israelischer Staatsbürger, Ibragimov ist aus Kirgisien und ethnischer Usbeke und Chodiev ist Usbeke und Staatsbürger Belgiens. Mashkevich war übrigens vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion Professor der Philologie in Bishkek. Die ersten Geschäftekontakte machte das Trio wohl mit der Privatisierung des Stromnetzes in Kasachstan.Zur Vertiefung ein Forbes-Artikel und eine Analyse von eurasianet.org. Seid neustem ist übrigens auch Vladimir Kim ein Teilhaber bei der Eurasian Group, ein koreanischstämmiger kasachischer Oligarch, über ihn dann mehr nächste Woche.

Der Renault ist tot

turnvater am Mittwoch, den 28. November 2007

Tja, meine Tage in Bishkek sind nun auch gezählt und ich mach mich langsam Richtung Deutschland auf, wo ich bis Februar verweilen werde. Ist auch ganz gut Bishkek zu verlassen, denn mein geliebter Renault ist tot. Erst haben sich die Bremsen und die Bremslichter verabschiedet, dass ging aber noch, da ich einfach mit viel Abstand gefahren bin, dann jedoch kam leider sein plötzlicher Tod. Ich quälte mich gerade durch den allabendlichen Berufsverkehr auf der eigentlich drei- praktisch vierspurigen Ausfallstrasse, als plötzlich aus dem Motor Rauch aufstieg, so weit so gut dachte ich, leider wurde es immer mehr Rauch, so daß ich dann lieber kurz entschlossen in den Gegenverkehr gefahren bin, da ich ganz links war und es keine Chance gab rechts zum Parken herüberzufahren. Motorhaube auf, kein Feuer zum Glück und dann erstmal in die nächste Bar um ein Bier zu trinken, bis der Motor abgekühlt ist. Nargizas Vater kam dann netterweise vorbei und hat den Renault nach Hause gefahren. Wir sind dann weiter zu einer Verabredung mit seinem Opel Geländewagen gefahren. Seit dem muß ich zum Russischunterricht mit nem Taxi, der Renault wird jetzt wohl verkauft.Mein Unterricht geht übrigens gut voran, wenn auch in komischer Umgebung. Ich bin nämlich in einer doch sehr anderen Sprachschule gelandet, meine Lehrerin dort ist ne neunzehnjährige Russin und geleitet wird die Schule von 1,50m grossen pakistanischen Zwergen, die Englisch unterrichten. Nach mir hat dafür nen ziemlich cooler Türke Russischunterricht, der ist ca. 1,90m und trägt immer Lederjacken mit Pelzkragen, hat lange schwarze Haare und scheint viel Goldschmuck zu besitzen. Ich trau mich leider nicht ihn zu fragen, was er so geschäftlich in Bishkek macht.Toll ist übrigens auch Nargizas Freundeskreis. Neulich waren wir Plov essen und anschließend Bowling spielen mit drei ihrer Freundinnen. Eine ist Anwältin und arbeitet als Justizarin bei zwei verschieden Firmen, einem Casino und einer Goldmine. Sie deckt damit wohl die wichtigsten örtlichen Geschäftsfelder ab und will sich nun selbstständig machen. Ihre Frage, ob ich mitmachen will, habe ich erstmal vorsichtig verneint. Die zweite Freundin ist die Verlobte vom Präsidentensohn, der neulich auf seinem dreißigsten Geburtstag Adriano Celentano als Sänger hatte. Nargizas meint nun ständig ich soll mich mehr anstrengen bei der Jobsuche, damit ich mir ihn zum vierzigsten leisten kann. Die dritte Freundin ist Witwe und zwar nicht nur von ihrem Mann, sondern von dessen ganzer Familie. Ihr Schwager war einer der bekanntesten Mafiabosse in Bishkek und wurde nach einem Moscheebesuch erschossen, ihr Mann wurde später bei einem Gefängnisaufstand umgebracht und nach und nach hat es dann die restlichen männlichen Familienangehörigen auch erwischt. Nun lebt sie wieder bei ihrer Familie, ihr Vater ist zum Glück reich, er hat ne demokratische Partei und sitzt im Parlament. Ich habe dann auch lieber die Mafiawitwe beim Bowling gewinnen lassen.Ihr Schwager war übrigens als Rispek bekannt, was ich meiner Meinung nach eine Plazierung unter den Top Ten der Mafiaboßnamen verdient hat.Nun gut, ich muß jetzt in die Sauna.Bis bald in Berlin und ne schöne WeihnachtszeitPS: Bilder und mehr ab Dezember (und jetzt schon nen bisschen )gibt es aufhttp://blog.jahn.cn.

Hummer zum Zweiten

turnvater am Samstag, den 24. November 2007

 

Ich habe im Netz gerade eine Testkritik über den neuen Hummer H3 Alpha gelesen. Seht selbst: NYTIMES

Aus der reihe populäre zentralasiatische Oligarchen diesmal Schwiegersohn Timur Kulibayev

turnvater am Donnerstag, den 22. November 2007

Kulibayev ist mit Dinara Kulibayeva (ehemals Nazarbayeva) verheiratet, was ihn zum Schwiegersohn von Kasachstans Präsidenten Nursultan Nazarbayev macht. Sein Vermögen beträgt laut Forbes beträgt 2,1 Milliarden Dollar, Geld welches hauptsächlich aus seiner Karriere innerhalb der kasachischen Ölindustrie stammt und seinen Anteilen an der Almex Holding Group, welche an der Halyk Bank beteiligt ist. Kulibyev wird nachgesagt, daß er innerhalb der kasachischen Machtverhältnisse eine immer wichtigere Rolle spielt. Ein Umstand der bestimmt auch daher rührt, daß er der letzte verbliebene Schwiegersohn von Nazarbayeva ist. Rakhat Aliyev, Ex-Mann von Dariga, befindet sich zur Zeit auf der Flucht vor der kasachischen Justiz. Aliya Nazarbayeva ist ebenfalls geschieden, ihr Mann war Aidar Akayev, Sohn des ehemaligen kirgisischen Präsidenten. Der Scheidung folgte ein Rosenkrieg, welcher wohl dazu führte, daß Aidars Vater nach der Tulpenrevolution ins Exil nach Moskau mußte statt ins nahe Almaty zu gehen.Nächste Woche: Alexander Mashkevich

Wahlen, Wahlen und Wahlen

turnvater am Sonntag, den 18. November 2007

Ein „Super Dezember“ für die GUS – Staaten: in Rußland wird die Duma gewählt, in Kirgisien das Parlament und in Usbekistan der Präsident.Wenigstens das Wahlergebnis für Usbekistan dürfte, trotz immer mehr Gegenkandidaten, feststehen: Islam Karimow. Spannend wird nur wie er das juristisch/demokratisch begründen will, immerhin ist er nun seid 18 Jahren an der Macht, obwohl die Verfassung nur zwei Amtszeiten a 7 Jahre (früher 5 Jahre) vorsieht. Verlängerung per Referendum und Verlängerung der Amtszeit per Gesetz hat er schon benutzt. Mein Tip: die ersten 10 Jahre werden als Sonderzeit des Umbruches bewertet, daher tritt er jetzt formaljuristisch erst zum zweiten Mal an.Hier in Kirgisien geht es da schon spannender zu, schliesslich sitzt Bakijew nicht so fest im Sattel wie manch einer seiner Kollegen. Es kommt auch tatsächlich regelmäßig zu Demonstranten, wie die örtliche Presse und Freunde hier mir berichten. Demonstrationen auf welche dann Verhaftung bzw. Arreste wegen Störung der öffentlichen Ordnung folgen. „Öffentliche Ordnung“ ist ja unser allerliebster Rechtsbegriff aus dem Polizeirecht. Beispiel gefällig: neulich soll jemand ein Plakat hochgehalten haben, welche eine Affen gezeigt hat mit der Unterschrift „Ihn interessiert es nicht, wer ihn regiert“, dies störte den Geschäftsbetrieb eines angrenzenden Restaurants so sehr, daß die Polizei vorsorglich Verhaftung durchführte. Die Leute wurden dann aber schnell wieder freigelassen, im übrigen entschuldigt sich die Polizei hier schon mal für falsche Verhaftung. Demokratie ist halt keine einfache Sache für Polizisten.Was Putin angeht kann ich nur sagen: Just do it! Nur gibt bitte unseren OSZE-Beobachtern Visa.


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