Leben in Almaty
Almaty ist wirklich eine schöne Stadt und ich fühle mich immer wohler hier. Mittlerweile habe ich auch ein kleines soziales Umfeld, welches aus ein paar Kasachen und deutschen DAAD-Angehörigen besteht. Durch letztere bin ich auch auf eine DAAD-Veranstaltung geraten, welches neben einer kasachischen Flamencotruppe auch eine interessante Rede beinhaltete (Einleitungssatz des Redners: „Dies ist mein 22er Wodka heute!“).

Mit einigen meiner kasachischen Freunden spiele ich übrigens inzwischen am Sonntag immer Fußball zwischen Wolkenkratzerbaustelle auf dem Gelände der kasachischen Staatsuni (KAZ GU). Neben uns spielen meistens türkische Bauarbeiter, welche von meinen Mitspielern liebevoll „unsere Afro-Amerikaner“ genannt werden, diese sind erstaunlich „neuköllnisch“ und es gibt immer wieder lange Debatten und kleine Gerangel.
Um mein Fußballerlebnis abzurunden, möchte ich jetzt noch ein Spiel der kasachischen Liga besuchen, was meine kasachischen Freunde nur mit kopfschütteln kommentieren. Die Liga ist nämlich wie alles hier durch Korruption zersetzt, die Spieler haben sich einfach ihren Platz im Team erkauft, daß behaupten jedenfalls meine Freunde. Ich kann mir aber auch vorstellen, daß sie damit nur das schlechte Niveau der Liga entschuldigen wollen.
Korruption ist hier aber natürlich ein immer gegenwärtiges Thema und neben dem täglichen Behördengang wird insbesondere der Erwerb eines Hochschulabschlusses dadurch erleichtert. Ich glaube allerdings, daß man gerechterweise sagen muß, daß für ein GUS-Land die Korruption hier wohl eher unterentwickelt ist. Im Straßenverkehr hilft sie dennoch einem lange Behördengänge zu vermeiden. Eine Armee von Polizisten kontrolliert hier nämlich täglich, ob man sich an die Verkehrsregeln hält, wird man angehalten muß der Kasache dann ca. 3000 Tenge zahlen. Als Ausländer beträgt die Zahlung wohl ca. 10.000 Tenge, was das Autofahren für mich ein wenig teuer macht. Allerdings habe ich bis jetzt nichts bezahlt, da ich ehrlich gesagt keine Ahnung habe, wann man das Geld übergibt.
Mein erstes Erlebnis lief daher wie folgt ab: Ich fahre mit meinem 4WD die Furmanowastr. herunter, als ein Fußgänger versucht diese zu überqueren. Der typische Reflex eines kasachischen Autofahrers besteht nun darin diese überfahren zu wollen, ich unterdrückte dummerweise diesen Reflex und fiel deshalb dem Polizisten am Straßenrand unangenehm auf. Mit einem freundlichen Lächeln winkte er mich heraus, begrüßte mich in Kasachstan und bat um meine Papiere - leider fehlte mich wohl irgendein Papier. Ich rief also über das Telefon meine kasachische Verwandtschaft an, die eine Rettungsaktion startete. Ich bekam als erstes die Nummer eines Polizeifunktionärs per SMS geschickt, den ich anrief und dem Polizisten gab. Leider half dies überhaupt nicht und der Polizist erklärte mir, ich sollte solche Versuche unterlassen. Zum Glück setzten wir bald wieder unser Gespräch über Autopreise in Deutschland fort, welche wir in die Schmutzschicht meines Autos schrieben. Was man wirklich sagen muss, ist dass die kasachische Polizei unglaublich nett ist. Das Gespräch dauerte ca. 20 Minuten bis ein Unterhändler mit seinem Auto vorbeikam, der mit dem Polizisten dann die Verhandlung aufnahm, diese endete mit dem typischen doppelhändigen Handschlag. Ich fuhr dann unbekümmert weiter.



