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Herzlichkeit und Gastfreundschaft

lottaleben am Montag, den 4. August 2008

Die Tadschiken machen eine wunderschöne Geste, die jeder, der hierher kommt, direkt adaptiert. Es ist eine Geste der Ehrerbietung - man legt sich die Hand auf den Bauch, auf die Brust oder irgendwo dazwischen. Sowohl zum Grusse, als auch beispielsweise wenn man Tee reicht oder gereicht bekommt – es wird einem direkt warm ums Herz.

Überhaupt sind die Tadschiken sehr höflich. Es gibt zum Beispiel im Bus eine klare Rangfolge, wer sitzen darf. Zuerst die älteren Menschen, dann die jungen Frauen, zuletzt die Männer. So ist es mir auch schon passiert, dass jemand für mich aufstand und zwar so selbstverständlich, dass mir gar keine andere Wahl blieb als mich hinzusetzen.

Ganz besonderer Herzlichkeit begegnet man, wenn man irgendwo zu Gast ist. Und auf eine Art ist man hier immer zu Gast, zu Gast im Lande.

Lädt einen jemand spontan nach Hause zu sich ein, zum „Tee trinken“, wird aus dem Tag ein Festtag. Denn wie an einem Festtag, füllt sich der Tisch mit allem, was Herz und Magen begehren, mit allem, was der Haushalt hergibt. Je mehr man geben kann, desto gelungener das Fest.

Man nimmt zwar selten an, doch die Einladung zum „Tee trinken“ spricht fast jeder aus, mit dem man in der Nähe seines Hauses ein paar Worte wechselt. Sie gehört sozusagen zum Abschiedritual. Hand auf’s Herz.

Märchen von dem Land, in dem zu Sowjetzeiten alles besser war

lottaleben am Donnerstag, den 17. Juli 2008

Es war einmal ein Land, das lag zwischen Russland und Afghanistan, zwischen Usbekistan und China und man nannte es Tadschikistan. Die Menschen in Tadschikistan waren glücklich, denn die Grenze ihres Landes war gleichzeitig auch die Grenze des gesamten mächtigen russischen Reiches. Im Alltag hatte man keine Sorgen, auf den grossen russischen Bruder war Verlass. Er kümmerte sich darum, dass die Felder maschinell bestellt wurden, die Bewässerungssysteme funktionierten und die Strassen befahrbar waren. Im Winter wie im Sommer bekam jeder seine Berufskleidung ausgeteilt, die Kinder trugen stolz ihre Schuluniform in der Schule, für die die Eltern keine Kopeke zahlen mussten. Wurde eine höhere Ausbildung angestrebt bekam man mit dem Studienplatz gleichzeitig einen kostenlosen Wohnheimplatz zugewiesen, nach dem Studium war der auf dich massgeschneiderte Arbeitsplatz schon reserviert. Der ausgezahlte Lohn war minimal, reichte aber für alles, denn das Kilo Kartoffeln war fast umsonst. Die Läden waren stets voll mit den besten Lebensmitteln, das ganze Jahr über bekam man frische Tomaten. Für die vielen zugezogenen Russen gab es stets auch Schweinefleisch zu kaufen.

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Wochenendausflüge

lottaleben am Mittwoch, den 9. Juli 2008

Am Wochenende sind wir von Dushanbe aus in den Norden gefahren, in das Varzob-Tal. Der Varzob ist der Fluss, der nachher auch durch Dushanbe fliesst. Bei einem kleinen Ort stiegen wir aus und liefen entlang eines dem Varzob zufliessenden Baches. Wir wunderten uns über das Verkehrsaufkommen auf den ersten Kilometern, das so gross war, dass wir ständig damit zu tun hatten, am Strassenrand stehen zu bleiben, um die Autos vorbei zu lassen. Und was für Autos! Lexus, BMW, Mercedes und grosse japanische Jeeps, darin fesche Typen mit dicken Sonnenbrillen. Da wunderten wir uns kaum mehr, als wir ein paar Kurven weiter feststellen durften, welches Ziel die alle anstrebten – über oder neben den Bach gebaute Holzplattformen bieten gemütlich Platz für die ganze Familie oder eine Gruppe Freunde. Hier sitz man, badet und trinkt Bier. Das ganze ist natürlich eingezäunt oder eingemauert, die einzelnen Plattformen gehören jeweils zu einem grösseren Komplex, in dem es meist ein Restaurant und manchmal einen Pool gibt. Die Geräuschkulisse erinnert eher an das, wie man sich Mallorca vorstellt: Party-Musik, Gejohle und Geplansche. Wir waren froh, als wir am Ende der Strasse angelangt waren. Hier konnten wir auch endlich sehen, wie schön es tatsächlich an diesem Bach ist - es ist schattig und kühl, grün und idyllisch, und man kann sich stets im Wasser erfrischen. Im Grunde also ein sehr verständlicher Rückzugsort vor der Hitze und Hetze der Stadt – natürlich nur für die, die es sich leisten können.

Strassenpflege in Dushanbe

lottaleben am Dienstag, den 8. Juli 2008

Privet! Für die, die nicht wissen, wer ich bin, ganz kurz: Zwei Monate lang werde ich gemeinsam mit einem Kollegen in Tadschikistan sein, wo wir versuchen ein Projekt für Ingenieure ohne Grenzen auf die Beine zu stellen.

Einer meiner ersten Eindrücke von Dushanbe war die Tatsache, dass die ganze Stadt grün ist – es gibt unglaublich viele Blumen und die grossen Strassen sollte man Alleen nennen, denn sie sind von Bäumen gesäumt. Das zeugt von einem grossen Reichtum der Stadt, denn die Wasser-Ressource in Tadschikistan ist knapp. Sobald man aus der Stadt herausfährt, ist das Land trocken, die Flussläufe sind von weitem erkennbar, sie ziehen sich nicht nur als Täler sondern auch als grüne Streifen durch die Hügel. Wie die Bäume in der Stadt bewässert werden, konnten wir gleich am ersten Tag beobachten: Entlang der gesamten Strasse sind beidseitig kleine Wasserkanäle gezogen, durch die ständig Wasser fliesst. Diese Kanäle werden mit einer Art Einsatz neben einem Baum gestaut. So entsteht eine Art Becken, von dem aus zwei Männer Wasser mit einer gewöhnlichen Schaufel dem Baum zuschaufeln. Wenn ein Baum genügend Wasser bekommen hat, ziehen sie mit dem Kanaleinsatz zum nächsten weiter.

Auch die bunten Blumenbeete auf den Bürgersteigen werden stets gepflegt. Erst auf den zweiten Blick sieht man darin ab und zu Frauen in traditionellen Kleidern hocken, Kleider, die ähnlich bunt sind wie die Beete. Sie rupfen Unkraut oder pflanzen neue Blumen ein.


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