Tja, meine Tage in Bishkek sind nun auch gezählt und ich mach mich langsam Richtung Deutschland auf, wo ich bis Februar verweilen werde. Ist auch ganz gut Bishkek zu verlassen, denn mein geliebter Renault ist tot. Erst haben sich die Bremsen und die Bremslichter verabschiedet, dass ging aber noch, da ich einfach mit viel Abstand gefahren bin, dann jedoch kam leider sein plötzlicher Tod. Ich quälte mich gerade durch den allabendlichen Berufsverkehr auf der eigentlich drei- praktisch vierspurigen Ausfallstrasse, als plötzlich aus dem Motor Rauch aufstieg, so weit so gut dachte ich, leider wurde es immer mehr Rauch, so daß ich dann lieber kurz entschlossen in den Gegenverkehr gefahren bin, da ich ganz links war und es keine Chance gab rechts zum Parken herüberzufahren. Motorhaube auf, kein Feuer zum Glück und dann erstmal in die nächste Bar um ein Bier zu trinken, bis der Motor abgekühlt ist. Nargizas Vater kam dann netterweise vorbei und hat den Renault nach Hause gefahren. Wir sind dann weiter zu einer Verabredung mit seinem Opel Geländewagen gefahren. Seit dem muß ich zum Russischunterricht mit nem Taxi, der Renault wird jetzt wohl verkauft.Mein Unterricht geht übrigens gut voran, wenn auch in komischer Umgebung. Ich bin nämlich in einer doch sehr anderen Sprachschule gelandet, meine Lehrerin dort ist ne neunzehnjährige Russin und geleitet wird die Schule von 1,50m grossen pakistanischen Zwergen, die Englisch unterrichten. Nach mir hat dafür nen ziemlich cooler Türke Russischunterricht, der ist ca. 1,90m und trägt immer Lederjacken mit Pelzkragen, hat lange schwarze Haare und scheint viel Goldschmuck zu besitzen. Ich trau mich leider nicht ihn zu fragen, was er so geschäftlich in Bishkek macht.Toll ist übrigens auch Nargizas Freundeskreis. Neulich waren wir Plov essen und anschließend Bowling spielen mit drei ihrer Freundinnen. Eine ist Anwältin und arbeitet als Justizarin bei zwei verschieden Firmen, einem Casino und einer Goldmine. Sie deckt damit wohl die wichtigsten örtlichen Geschäftsfelder ab und will sich nun selbstständig machen. Ihre Frage, ob ich mitmachen will, habe ich erstmal vorsichtig verneint. Die zweite Freundin ist die Verlobte vom Präsidentensohn, der neulich auf seinem dreißigsten Geburtstag Adriano Celentano als Sänger hatte. Nargizas meint nun ständig ich soll mich mehr anstrengen bei der Jobsuche, damit ich mir ihn zum vierzigsten leisten kann. Die dritte Freundin ist Witwe und zwar nicht nur von ihrem Mann, sondern von dessen ganzer Familie. Ihr Schwager war einer der bekanntesten Mafiabosse in Bishkek und wurde nach einem Moscheebesuch erschossen, ihr Mann wurde später bei einem Gefängnisaufstand umgebracht und nach und nach hat es dann die restlichen männlichen Familienangehörigen auch erwischt. Nun lebt sie wieder bei ihrer Familie, ihr Vater ist zum Glück reich, er hat ne demokratische Partei und sitzt im Parlament. Ich habe dann auch lieber die Mafiawitwe beim Bowling gewinnen lassen.Ihr Schwager war übrigens als Rispek bekannt, was ich meiner Meinung nach eine Plazierung unter den Top Ten der Mafiaboßnamen verdient hat.Nun gut, ich muß jetzt in die Sauna.Bis bald in Berlin und ne schöne WeihnachtszeitPS: Bilder und mehr ab Dezember (und jetzt schon nen bisschen )gibt es aufhttp://blog.jahn.cn.