Archiv des Tags ‘Islam’

Scharia in Kasachstan

Philipp Jahn am Freitag, den 30. Mai 2008

Scharia ist die Pflichtenlehre des Islams und bestimmt den Alltag von vielen Millionen Moslems auf der Welt. Teil dieser Pflichtenlehre ist die islamische Rechstwissenschaft, die sogenannte Fiqh. In Kasachstan selbst spielt die Scharia eine untergeordenet Rolle, da hier immer schon das Leben durch nomadische Sitten bestimmt wurde. Ein befreundeter Ethnologe meinte einmal zu mir, dass auf dem Land, wo die kodifizierten Gesetze deutsch-sowjetischer Tradition nicht verbreitet/bekannt sind, die Menschen eher nach nomadischen Regeln ihren Streit beilegen als nach der Scharia. Dies aendert sich erst, wenn man sich in die Naehe des Ferganatals begibt, wo keine nomadischen sonder eher baeuerliche Tradition existieren

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Among the Believers

Philipp Jahn am Dienstag, den 16. Oktober 2007

Nachdem Literaturnobelpreisträger VS Naipaul in seinem grossartigen Buch „Among the Believers“ die moslemische Welt bereiste ohne in Zentralasien gewesen zu sein, habe ich mir gesagt: “Philipp, dann musst Du es halt selbst machen.“ Also das Referendariat rasch beendet, Sachen gepackt, in den Flieger gesetzt und ab nach Bishkek, wobei es sich dabei um die Hauptstadt Kirgisiens und zufälligerweise auch um den Herkunftsort meiner Freundin handelt. Zentralasien war übrigens mal als sowjetischer Orient bekannt und besteht neben Kirgisien noch aus Tajikistan, Turkmenistan, Usbekistan und Kasachstan, die letzteren beiden Staaten werden von Bishkek aus, Ziele meiner Rundreisen sein. Kleine ethnische Einordnung noch: Bei den Zentralasiaten handelt es hauptsächlich um islamisierte Mongolen, die sich irgendwann mit türkischen Stämmen verbunden haben und dabei deren Sprachen und Sitten angenommen haben. In der gelebten Praxis heisst dies, dass in Zentralasien uralte Mercedes, Audis und BMWs die Strassen bevölkern und zwar vorliebend in grossen Gruppen, die bundgeschmückt sind und wie wild hupen. Begonnen hat meine Reise mit einer Woche Urlaub in Istanbul, der Stadt mit dem grössten türkischen Bevölkerungsanteil der Welt, sozusagen als Eingewöhnung. Kaum dort angekommen, stellte ich zu meiner Überraschung fest, dass zu dieser Zeit gerade das Ramadan- bzw. Ramzanfest war. Hätte ich zwar schon zuhause bei mir in Berlin-Neukölln feststellen können, aber wie leicht verwechselt man einen 99Cent-Döner-Ramazanangebot mit einem 99Cent-Döner-Eröffnungsangebot. Jedenfalls habe ich mich dann von den ganzen fressenden Gläubigen nicht stören lassen und habe tapfer meinen ersten Hamambesuch hinter mich gebracht. Danke noch einmal an Monika und Johannes für die tolle Idee. Für die von Euch die noch nie in einem Hamam waren beschreibe ich mal kurz wie ein solcher Besuch abläuft. Man zahlt einen nicht zu kleinen Geldbetrag, um sich anschliessend mit anderen Touristen in einem grossen Raum mit einer heissen Marmorplatte wieder zu finden. Schon am Eingang dieses Raumes wird man einem kleinen dickbäuchigen, schnäuzertragenden Türken zugewiesen, welcher nun anfängt einen unsanft durchzukneten und abzuwaschen. Super! Anschliessend wird man dann von seinem Bruder(?) noch mal ordentlich eingeseift, bis man sich in Ruhe auf der warmen Platte erholen darf. Als ich ein paar Tage später im Flug von Istanbul nach Bishkek sass, träumte ich dann auch vom Hamam und der Entspannung, welche ich dort gefunden hatte, denn Turkish Airlines Maschinen sind wirklich kein Ort der Entspannung. Nicht zuletzt ist der Slogan der Airline auch „Beyond Expectations“ und selbst wenn ich durch meinen Iranflug mit Turkish Airlines eh wenig „Expectations“ hatte, was Service, Mitreisende und Beinfreiheit anging, wird man doch jedes Mal ein überrascht. Im Flieger fand sich übrigens auch eine Gruppe von GTZ-Mitarbeiter die auf dem Weg nach Tajikistan waren. Sollte man glauben Juristen würden langweile Fachgespräche führen können, dann sasst Ihr noch zwischen einem Haufen GTZ-Mitarbeitern. Kurzer Ausschnitt: “Ich habe aus 2004 und 2006 Bücher über das Thema. Ich kenne sonst auch nur noch eins, von der International Crisis Group.” “Ich glaube 2007 gab es auch etwas.” “Wir können dann ja morgen im Hotel mal ein Literaturabgleich machen.” Etc. Zum Glück war ich dann irgendwann in Bishkek, wo ich eine Woche blieb, anschliessend ging es dann weiter nach Almaty, Astana und Aktau (alles Kasachstan). Während Almaty eine dubaiartige Stadt ist, wo die Leute hauptsächlich Hummer fahren und Gucci tragen und Aktau eine gottverlassene Ölstadt am kaspischen Meer, war der wirklich Höhepunkt Astana, was auf kasachisch Hauptstadt bedeutet und um welche es sich dann auch handelt. Die ganze Stadt wirkt mit ihren riesigen Hochhäusern, als ob jemand Simcity im Gottmodus gespielt hat, was auch ungefähr stimmt, da es Herr Nursultan Narsabajew im Präsidentenmodus war, der Stadt entwarf. Seine Helfer waren dabei übrigens Stararchitekten und diversen türkischen Baufirmen. Zentrum der Stadt ist der so genannte „Baiterek“-Turm, welcher wie ein riesiger Fussballweltpokal aussieht und in dessen Kuppel man für nur 5 Euro hinauffahren kann. Oben angekommen, legt man dann seine Hand in den vergoldeten Handabdruck von Narsabajew und wünscht sich etwas, während man dies tut sollte dann die kasachische Nationalhymne erklingen. Ich schreibe sollte, weil als ich meine Hand in den goldenen Abdruck drückte nichts erklang. Türkische Baufirmen scheinen sich ebenfalls dem Motto „Beyond Expectations“ verpflichtet zu fühlen. Abends ging es dann in ein Restaurant und ich verspeiste wieder einmal fleissig Pferdefleisch und trank ausgiebig französischen Wein. Nachdem Essen tauchte dann ein Freund von Nargizas Familie auf und als dieser mich fragte ob ich schon einen richtigen Schaschlyk gegessen habe, verneinte ich dies. Dies sollte sich als einer meiner schlimmsten interkulturellen Fehler seid Jahren herausstellen. Eine halbe Stunde später befand ich mich nämlich, immer noch unglaublich satt, in einem anderen Restaurant vor unglaublichen Mengen von Schaschlyk und Lülakebab und musste wohl oder übel weiter essen. Während ich mit dem Essen kämpfte, wurde auch noch eine Flasche Wodka angeliefert. Ich wusste was jetzt kommen würde, eine Unzahl von Trinksprüchen auf die jedes Mal galt einen Wodka zu kippen. Der Tatsache folgend, dass ich bereits ca. eine Flasche Wein und mehrere Bier intus hatte, versuchte ich mich dann nach drei Wodkas mit Bier anzustossen. Dies erboste jedoch unseren kasachischen Gastgeber so sehr, dass er nun anfing zu kontrollieren, ob ich meinen Wodka auch trank und nicht nur hinter meinem Bier versteckte. Ich nutzte daraufhin jede Gelegenheit, den Inhalt meines Wodkaglases mit Wasser auszutauschen. Als ich endlich wieder im Hotel war, fiel ich dann auch stockbesoffen kopfüber ins Bett, nach einer halben Stunde klingelt allerdings plötzlich dass Telefon. In mir stieg eine panische Angst auf, dass er Anruf irgendetwas mit Essen oder Wodka zu tun haben könnte. Zu meinem Glück war es aber nur der übliche Anruf, ob ich noch einen Intimservice wahrnehmen möchte, ich verneinte erleichtert. Inzwischen bin ich zum Glück wieder in Bishkek und Ramadan ist auch vorbei, womit sich das Thema fastenbrechen zum Glück erledigt haben dürfte. Jetzt noch ein paar warnende Worte zum Schluss, was einem in Zentralasien auffällt, ist dass in den Resten der Sowjetkultur überall Moscheen durch türkisches und saudisches zakat finanziert entstehen, Man kann hier sicher sein, dass man im kleinsten Dorf auf einen wunderschönen Moscheeneubau trifft und die Moschee in Almaty, die mein Lonley Planet von August 2007 als grösste Moschee von Kasachstan beschreibt, passt mehrfach in die neuen Moscheebauten von Almaty und Astana herein. Es scheint so als ob es nur zwei Seiten in diesen Länder gibt, entweder Islam oder Gucci und Prada. Um dieses Phänomen zu ergründen, soll mich meine nächste Reise dann auch in das vermeintliche Herzen des zentralasiatischen Islamismus führen: Usbekistan.

Istanbul ist eine Traumstadt

Philipp Jahn am Freitag, den 21. September 2007

Nun haben wir schon zwei schöne Nächte im Alp Hotel in Istanbul verbracht und mit jeder Stunde wird es schöner. Während ich dies hier schreibe sitze ich auf dem Dach meines Hotels und geniesse den regnerischen Blick auf den Bosporus und schaue zu wie die Krähen den Backpackern vom Nachbartisch die Frühstückseier klauen und diese, nachdem sie vom Tee holen wiedergekommen sind, nun schon seid 10 Minuten ihr verlorenes Frühstück suchen. Mittlerweile durchsuchen sie schon die Taschen Ihrer Kleidung, was angesichts der ca. 50 Taschen wohl noch eine weile dauern dürfte.Istanbul zum Ramadan ist wirklich fantastisch, insbesondere der morgendliche Gebetsruf um ca. fünf Uhr ist mir besonders ans Herz gewachsen. Ich war jetzt auch selbst schon mehrmals in Moscheen, da immer wenn man in einem REstaurant nach einer Toilette fragt, man freundlichst an die nächste Moschee verwiesen wird. Moscheen gibt er aber zum Glück in Istanbul wie Sand am Meer. Übertroffen werden sie praktisch nur von Sattelitenschüsseln. Scheinbar ist dies nicht nur ein Phänomen bei Türken in Deutschland.Istanbul begann übrigens ein wenig komsich, da unser Turkish Airlines Flieger kurz vor dem Aufsetzen auf dem Atatürk Flughafen durchstartete und steil nach oben stieg. Nach ein paar Minuten folgte eine Durchsage auf türkisch die ca. 5 Minuten dauerte und scheinbar den Grund für das Manöver erklärte. Die anschliessend Durchsage auf Engliisch war dann weniger ausführend: “We will land in five minutes.” Nun gut, Nargiza meinte der Pilot hätte irgendwas von zu viel Verkehr erzählt. Wahrscheinlich war dies nur das übliche Problem der Türken sich in Schlangen anzustellen und auch für Flugzeuge gilt das Prinip drängeln, drängeln, drängeln.Nun gut, nun muss ich mich aber auf den für heute geplanten Hamambesuch vorbereiten.

Endlich Istanbul!

Philipp Jahn am Donnerstag, den 20. September 2007


Endlich bin ich in Istanbul angekommen und zu meiner Überraschung ist Ramazan. Hätte ich in Neukölln vielleicht auch bemerken können, aber wie leicht verwechselt man einen 99 Cent Döner Ramadan Angebot mit einem 99 Cent Döner Eröffnungsangebot. Ganze Istanbul fastet und frisst gerade, ist echt beeindruckend schön. Weniger schön ist der morgendliche Ruf zum letzten Mail vor dem Sonnenaufgang, der um 5 Uhr mich jedesmal aus den Träumen reisst. Bin jeoch zum Glück tolerant gegenüber dem Islam. Das erste Bild zeigt übrigens den Blick von unserer Hotelterrasse.

Bilder von der Rundreise

Philipp Jahn am Sonntag, den 10. Juni 2007

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