Archiv des Tags ‘Lonley Planet’

die vierte

turnvater am Freitag, den 1. Juni 2007

So inzwischen habe ich meine Rundreisen durch den Iran erledigt und möchte Euch allen dieses wunderbare Land ans Herz legen. Insbesondere die beliebteste Form des studentischen/akademischen Massentourismus, das LonleyPlanet reisen, bietet sich extrem gut an. Während meines Aufenthalt in Yazd konnte man die Ausländer am besten dadurch identifizieren, dass sie mit einem Lonley Planet in der Hand die empfholene Working Tour durch die Altstadt machten, gerade ausländische Frauen sind nämlich sonst wegen des Hejabs schwer von Iranerinnen zu unterscheiden. Viele der geschickten - auf Ausländer spezialisierten - Händler in Esfahan(Traumstadt!!!) werben auch ganz offensiv mit Slogans wie „Mein Geschäft steht auf S. XXX des Lonley Planets“. In Gameh einem kleine Wüstenort (200 Menschen und ein paar Kamele laut Lonley Planet) war übrigens der hiesige Lonley Planet Autor kurz vor mir abgestiegen und hatte sich im Gästebuch verewigt, wobei er fast blasphemisch/verteidigend am Ende seines Eintrags schrieb „… it’s a guide, not a bible“. Jedenfalls hatte ich schon am Anfang meiner Rundreise einen solchen Gruppenzwang verspürt, dass ich mir in Persepolis im Museumsshop eine Raupkopie des Lonley Planet gekauft hatte. Gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht sind nämlich zum Glück im Iran ein Fremdwort. Es gibt hier jede Form von gefälschten Produkten und gefälschten Geschäften. So kann man hier ohne Probleme bei Pizza Hut oder Häagen Dasz essen und zwar in Geschäften die absolut dem Design der Orignale angepasst sind. Den Unterschied ist aber genauso leicht zu erkennen wie bei einem T-Shirt auf dem „Neik“ statt „Nike“ steht, aber das stört keinen wirklich. Westlicher Konsumrausch und Markenbewusstsein zu iranischen Preisen (und iranischer Qualität) Es werden aber nicht nur FastFood Ketten kopiert auch IKEA erfreut sich grösster Beliebtheit und auch sonst wird hier praktisch jede Marke bis ins extremste ausgenutzt. Es ist halt nicht unislamisch Marken auszuschlachten, sonder Teil des Kampfes der Entrechteten gegen die Ausbeuter. Unislamisch ist dagegen in Teheran mittlerweile unglaublich viel geworden. Cafes in den ich noch vor zwei Wochen rauchen konnte, sind plötzlich Nichtraucher Cafes, in anderen Cafes wird für eine halbe Stunde die Aschenbecher eingesammelt, da erfahungsgemäß um diese Zeit die Polizei vorbeikommt. Freunde von mir wurde im Park wegen (erfundenem) Kopftuchziehen verhafetet. Das Regime hat den Kampf gegen seine eigene Jugend und Bevölkerung aufgenommen und ich vermute sie werden ihn verlieren, denn der Brain Drain ist mittlerweile unglaublich und 55.000 Visaanträge an der Deutschen Botschaft sprechen für sich. Um nocheinmal zum Reisen zurückzukommen. Iraner sind unglaublich freundlich und sprechen Ausländer fast immer auf der Straße an, besonders übrigens dann, wenn Sie ein wenig Deutsch können und sonst nur farsi. Teilweise machen Ihre deutschen Sätze im Kontext dann auch gar keinen Sinn, so wird in Teheran von einem Iraner berichtet, der nur den Satz „Ich geh zum Bäcker“ kann, diesen aber immer und immer wieder gegenüber Deutschen wiederholt. Ähnlich Erfahrungen („es regnet heute“) habe ich auch schon gemacht. Meistens hatte ich aber mehr Glück und mit “kami farsi” und viel Englisch konnte ich immer jemanden zum Reden finden, obwohl erhlich gesagt teilweise die ständige Kontaktaufnahme einem tierisch auf die Nerven geht. Ein männlichen Perser wird übrigens nach der Kontaktaufnahme ständig versuchen mit einem Händchen zu halten, dies ist wohl die folge von zu wenig vorehelichem Sex. Ein bisschen Sorge macht mir übrigens die starke Abwanderung iranischer Fussballspieler aus der Bundesliga, dies könnte doch meine Gesprächsthemen und Populairtät sehr begrenzen. Wenn jemand Informationen über iranische Fussballspieler in Deutschland (bis Regionalliga) hat würde ich mich sehr freuen. So mal wieder in freundliches Xodafez aus dem Staat der Mullahs

die zweite

turnvater am Montag, den 7. Mai 2007

Salam allerseits,mal wieder neues aus dem IranErstmal eine gute Nachricht. Ich habe es geschafft und bin im Iran Ski gefahren. Um genau zu sein in Dizin , was von den Leuten her jedem italienischen SkiortKonkurrenz machen kann. Das einzige, was mich dort immer wieder in die iranische Realität zurückholte,waren die langsam auseinander brechenden Skischuhe, die mir der dreckige persische Verleiheruntergeschoben hatte. Entschädigt hat mich dafür letztendlich nur sein Gesicht, als ich Ihm den Schuhein verschiedenen Teilen wiedergegeben habe. Der ganze Skitag hat mich übrigens nur ca. 20 Euro mit Pass und Ausleihen gekostet, ich kann somit nur jedem empfehlen die nächste Skireise in den Iran zu planen.Was meinen Transport angeht, bin ich übrigens nicht mehr so stark auf das Taxi angewiesen, wie vorher. Esgibt hier nämlich eine Metro. Diese fährt vom Norden der Stadt bis in den tiefsten Süden, wo dasIman-Khomeini-Grab und ein grosser Friedhof inmitten der Wüste ist. Das ganze hat auch einen gewissensozialen Reiz, da man die südlichen Slums durchfährt und das mit relativen modernen Zügen mit grossenGlasfenstern…Mein erster Versuch die Metro per Fuss? zu finden war allerdings ein Fehlschlag. Ich habe fünf Stundengebraucht und statt an diesem Tag zu Khomeini zu fahren, bin ich aufgrund der Uhrzeit dann nur nocheine Stadion zum Test gefahren. Zu meiner Entschuldigung muss ich sagen: Stadtplänevon Teheran gibt es kaum und wenn stimmen auch keine Namen. Fragt man Iraner auf der Strasse nach dem Weg, werden sie immer antworten und in eine Richtungzeigen. Egal ob sie den Weg kennen , dich verstanden haben oder eben nicht. Es hilft also nur möglichstviele Iraner zu fragen und dann in die Richtung zu gehen, wo die meisten hingezeigt haben. Die Metro habeich übrigens gefunden, in dem ich nach vier Stunden herumlaufen, endlich vor einem grosses öffentlichesGebäude stand. Auf die Frage, ob dies die Metro sei, antwortete der Pförtner allerdings: “?Nein dies sei dieNational Bibliothek”. Gut dachte ich, besuche ich halt diese, nach starkem Funkverkehr zwischen allenVerantwortlichen, durfte ich eine halben Stunde später, als Tourist ausgewiesen, die Bibliothekbesuchen. Als ich nach zehn Minuten diese wieder verlassen hatte, konnte ich dann schliesslich mit demShuttlebus der Bibliothek zur Metro fahren. Dieser Fussweg zur Metro war letztendlich dann aber zukompliziert für den täglichen Gebrauch, so dass ich am nächsten WE ein Taxi zur Stadion genommen habe und dann erfolgreich zu Khomeini gefahren bin. Leider ist dasGrab reichlich hässlich und erinnert mehr an eine Shoppingmall. Spannend war lediglich, dass ichversehentlich ein Küchenmesser in meiner Tasche hatte. Als ich mich schon für 15 Monate in iranischenGefängnissen sah, fingen die Wächter jedoch an, iranische FuÃssballspieler in Deutschland aufzuzählen.Ich durfte dann mit Messer das Grab betreten.Beim Grab gibt es auch einen grossen Friedhof, dort liegen (u.a.) die Teheraner Toten desIran-Irak-Krieges und man kann Fotos von blutigen und verstümmelten Leichen kaufen. Auch gibt es einigekaputte Panzer und anderes Kriegsgerät zu bewundern. Man kann sich danach wirklich nur vorstellen wieschlimm und unmenschlich dieser Krieg war. Schön ist allerdings die schiitische Sitte, auf dem Friedhofeinem Essen und zu trinken zu geben, damit man für die Toten betet. Man kann sich daher dort gemütlich auf eine Bank in die Sonne setzen und bekommt immer kostenlos Verpflegung gereicht.Die letzte iranische Erfahrung hatte ich dann, als ich bei Turkish Airlines meinen Flug umgebucht habe ( Ichbleibe nämlich auf dem Rückweg noch ein bisschen in Istanbul). Im Office war ich um 15.45 der einzigeBesucher. Ich sprach also gleich eine der uniformierten Frauen an, diese zeigte daraufhin aufeine Arbeitsbereich mit fünf Schreibtischen. Dort angekommen wurde ich angewiesen eine Nummer zu ziehen, was ich auch brav tat: 537. Die Frau die mir den Nummernapparat gerade gezeigt hatte, ging darauf zu einem der Schreibtische, drückte auf einen Knopf - es leuchtete die Nummer 537 auf und schaute in den ausser mir leeren Raum, wer jetzt wohl diese Nummer hätte.Kurzzeitig überlegte ich dann darauf zu bestehen die Nummer 538 zu haben, ich hab aber dann doch raschumgebucht.So nun muss ich aber wieder ein bisschen Visaversagungen begründen.”In der Hoffnung, dass die Entrechteten die Arroganzbesiegen!”Eurer Mann in Teheran


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