Astana (Hauptstadt) ist die neue Hauptstadt von Kasachstan und Namensgeber für das Profirennradteam „Team Astana“. Die Stadt ging aus einer russischen Festungsgründung aus dem Jahr 1830 hervor und fristete danach ein eher ruhiges leben, bis Präsident Narsabajew 1997 beschloss Almaty (aka Alma-Ata) als Hauptstadt aufzugeben und ein erdölfinanziertes Paradies im Norden des Landes als neue Hauptstadt aufzubauen. Die Wahl fiel auf Astana.Grund für die Verlegung der Hauptstadt war nicht zuletzt die ethnische Zusammensetzung von Kasachstan, es leben nämlich fast genauso viele Russen wie Kasachen im Land und während Almaty im Süden über die alte Seidenstrasse mit China und Zentralasien verbunden ist, ist der Norden traditionell russische Einflusszone und Siedlungsgebiet. Astana soll nun im russischgeprägten Norden mit geplanten zwei Mio. (kasachischen) Einwohnern, eine ethnische Festung gegen russische Territorialansprüche bilden.Leider ist Astana allerdings alles andere als ein menschenfreundlicher Ort, sondern die zweitkälteste Hauptstadt der Welt mit Temperaturschwankungen von bis zu 80 Grad. Nur zu verständlich, dass viele Kasachen es daher lieber vorziehen bei weniger Gehalt in Almaty zu leben, als einen gut bezahlten Posten in Astana anzutreten.Für architekturbegeisterte Menschen, dürfte es sich zumindest um einen schönen Ausflugsort handeln.Planung der Stadt lag in den Händen des japanischen Architekten Kisho Kurokawa und sieht eine durch einen Baumgürtel vor der Steppe geschützte Oase vor, welche den Menschen Geborgenheit gegen die Naturkräfte bietet. Da die Qualität der neuen Bauten wohl zu wünschen übrig lässt, kam man nur hoffen, dass die Bäume der Steppe trotzen. Die Strassen tun es übrigens nicht und so ist praktisch ein Geländewagen Pflicht.Neben japanischer Stadtplanung, türkischen Baufirmen und kasachischer Steppe, findet man auch noch Stararchitekten wie Sir Norman Foster mit spektakulären Projekten.Die Northern Lights Towers (Architekt ?) haben mit übrigens ausordentlich gut gefallen (Im Vergleich zum Rest der Stadt hat).
Sir Norman Foster dagegen hat den Hauptgewinn gezogen mit zwei, die Achse vom „Baiterek“-Turm beenden, surrelaen Gebäuden.Einmal wäre da die farbenwechselende Pyramide hinter dem Präsidentenpalast auf der anderen Seite des Flusses. Getauft auf den Namen Palace of Peace & Harmony, soll sie sämtlichen Religionen und Ethnien in Kasachstan als Kulturzentrum dienen.Pyramide im Hintergrund.
Sein zweites und viel surrealeres Projekt ist Khan Shatyr ein riesiges Zelt, welches ein mehrstöckiges Einkaufszentrum enthalten soll, indem immer subtropisches Klima herrscht. Die Yurte des hummer-fahrenden Oberschichtskasachen sozusagen. Betrachtet man die Bauzeichnungen auf er Internetseite des Projekts kann man sich richtig vorstellen, wie zwischen Prada und Gucci Oberschichtsjugendliche ihre Zeit dort zuschlagen, bis sie ihr Studium an einem freundlicheren Turm antreten können. Der einfache Kasache (wie unser Stadtführer) hält den Rohbau des Gebäudes allerdings auch mal für die Grundlage eines mächtigen Fussballstadions. 2008 soll es fertig sein, ich freu mich auf einen Besuch.Nicht vergessen sollte man, dass neben allem surrealen auf den Baustellen kasachische Wander- und kirgische Gastarbeiter schuften. Ihre Unterbringung ist dann auch eher bescheiden und wird vor den Augen der Besucher versteckt. China lässt grüssen.
Die Tradition ganze Städte auf dem Reisbrett zu entwerfen ist übrigens nichts neues in Kasachstan, schon zu Sowjetzeiten wurde die Ölstadt Aktau am kaspischen Meer entworfen. Wollte man Post an einen Einwohner Aktaus schicken, gab man nicht etwa Name, Strasse und Hausnummer an, sondern Block, Haus und Apartment. Grund war, dass die ganze Stadt am nur aus Blöcken und Plattensiedlungen besteht. Allerdings hat der Kapitalismus diesen sowjetischen Traum ein Ende bereit und die Küstenstrasse ziert mittlerweile eine Reihe von schönen Villen, man ahnt, dass die Bewohner dieser mit den ihren Nachbarn aus den Blöcken zwar den Strom teilen, sonst aber in ganz anderen Welten leben.