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Samarkand, Taschkent und Buchara

Philipp Jahn am Dienstag, den 6. November 2007

Ich war in Usbekistan, wo die Seidenstrasse am schönsten ist und der Polizeistaat a la DDR am meisten blüht. Dabei ist mir aufgefallen, daß reisen durch Diktaturen sich langsam zu meinem Hobby entwickeln, zumal ich mich erwische, dass ich die Visabedingungen für Turkmenistan und Pakistan studiere.Eine Diktatur schützt einen übrigens nicht vor Taxifahrern, die immer erstmal losfahren und dann auf die Frage, ob sie das Hotel kennen würden, antworten: „Nein, Taschkent sei sehr groß“ die Strasse „Nein, Taschkent sei sehr groß“ macht es Sinn sechsmal hintereinander rechts abzubiegen „Ja, Taschkent sei sehr groß“.Kein Polizeistaat ist zum Glück Kirgisien, die Polizisten hier sind eher Kleinunternehmer, was ich am meisten bei meinen Ausflügen mit dem alten Renault von Nargizas Vater bemerke. 5 Jahre ohne TÜV ist dann auch nur noch Verhandlungssache.In Kirgisien wird auch immer fleissig gewählt, letzte Woche gab es ein Verfassungsreferendum mit 80 % Wahlbeteiligung. Von diesen stimmten nur 3,7 % gegen die Verfassungs- und Wahlgesetzänderung, welche der Präsident vorgeschlagen hatte, so daß dieser jetzt mit dem neuen Wahlgesetz im Rücken erstmal Wahlen für Dezember ausgerufen hat. Die Parteienlandschaft und die NGOs in Kirgisien hat nun eine Aufbruchbestimmung erfasst, besonders die Partei „Ak Zhol“, welche der Präsident gegründet hat. Leider darf der Präsident laut Verfassung allerdings nicht Mitglied einer Partei sein, daher ist er dann auch kurz vor offizieller Eintragung von „Ak Zhol“ von seinem Amt als Vorsitzender zurückgetreten und läßt seine Mitgliedschaft nun für die Zeit seiner Präsidentschaft ruhen. Anwälte geben scheinbar überall auf der Welt dieselben Tips.Viele Kirgisen die ich treffe sind Mitglied einer Partei, meistens in der, die ihr Arbeitgeber gegründet hat, mit dem Ziel ins Parlament zu kommen. Auf diese Art ist eine Freundin von Nargiza die Schatzmeisterin der Grünen geworden. Sie versicherte mir allerdings, daß weder sie, noch ihr Chef, ein Interesse am Umweltschutz hätten, die Marke „Grüne“ sei aber internatonal angesehen und noch frei gewesen.Ein politisches Thema in Zentralasien und im Wahlkampf ist immer die Gefahr des islamistischen Terrorismus, was wohl teilweise auch instrumentalisiert wird und auch kaum noch vorkommt, da die Deutschen von Usbekistan aus, nun den Norden Afghanistan kontrollieren und für Sicherheit sorgen.Islamisierung (NICHT VERWECHSELN mit ISLAMISMUS dies ist keine GLEICHSETZUNG!!!) gibt es dagegen immer mehr, der saudische zakat macht es möglich und auch viele ethnische Russen haben auf diesem Wege zur wahabitischen Moslemexistenz gefunden. Die Russen besuchen dazu Islamisierungskurse, was, wie mir von einem Teilnehmer berichtet wurde, viel mit weinen(?) zu tun hat.Ethnien, die islamisiert werden können, gibt es hier unbegrenzt: Russen, Kasachen, Kirgisen, Usbeken, Tadschiken, Koreaner, Deutsche, etc.. Die letzten beiden verdanken Ihre Anwesenheit übrigens Stalin und dem Zweiten Weltkrieg. Grösste Gemeinsamkeit aller ist die Vorliebe für Goldzähne und Wodka.Nargizas Vater versucht immer Deutsche für mich zu finden, was teilweise recht unterhaltsam ist. Einmal fuhren wir durch ein gottverlassenes Dorf, als er plötzlich den Geländewagen wendete und ein paar Bauern verfolgte. Goldene Zähne verneinten dann allerdings die Frage, ob es sich bei ihnen um Deutsche handele. Es waren ukrainische Juden. Ich war dennoch beeindruckt, für mich sehen alle Bauern irgendwie gleich aus, auch wenn ich natürlich Asiaten von Europäern unterscheiden kann.Bis Dezember werde ich nun in Kirgisien sein und Russisch lernen, dann geht es wieder zurück nach Deutschland. Ansonsten bin ich gerade auf der Suche nach einem Job in Almaty, da ich dort nächstes Jahr ein paar Monate leben möchte. wenn jemand dazu eine Idee hat, eine Website kennt oder ähnliches, würde ich mich über ne Mail freuen.Bis dannPhilipp

die fünfte

Philipp Jahn am Montag, den 25. Juni 2007

Liebe Freunde, langsam geht meine Zeit im Iran dem Ende zu (Es sei denn das mit der VISA-Verlängerung klappt nicht und ich darf noch ein bisschen Zeit im Evin-Gefängnis verbringen). Ich will daher noch eine kurze Schlussmail schreiben bevor ich mich in Deutschland auf Arbeitssuche begebe. Gereist bin ich in letzter Zeit nicht mehr viel, ich hab mich nämlich entschlossen, lieber noch ein bisschen Teheran kennenzulernen, denn wie Ihr sicherlich wisst hat Teheran eine der grössten Club- und Kneipenszenen der Welt (dream on!). Eine letzte Reise habe ich allerdings schon vor einiger Zeit gemacht und zwar nach Gorgan und von da in den Golestan-Nationalpark. Ein besonderer Erlebnis in diesem Nationalpark ist es beim Campen in der Nacht Wildschweine mit CS-Gas zu bespritzen. Das Campen selber ist allerdings sehr schwer zu bekommen, man benötigt nämlich eigentlich eine Erlaubnis vom Umweltministerium, allerdings muss man dazu ersteinmal dieses in Teheran finden. Aus Angst vor einer amerikanischen Invasion werden hier nämlich regelmäßig Straßennamen und Hausnummer gewechselt. (Dies hat übrigens zur Folge, dass man oft wissen muss wie eine Strasse vor der Umbenennung hies, am besten sogar noch wie sie zur Schahzeit hiess) Im Fall des Umweltministerium war es aber lieber selbst umgezogen ohne es auf seiner Webseite kundzutun. Als ich es dann schliesslich doch gefunden hatte war natürlich wieder keiner zuständig für das Ausstellen von Erlaubnissen an Ausländer. Sie habe mir dann aber eine Reiseagentur empfohlen, die auf Nachfrage am Handy auch gleich konkrete Preisvorstellung hatte. („200 Dollar a night“ „Oh that ist very cheap“ „100“„bye,bye“). Die netten Herren vom Umweltministerium meinten dann aber ich sollte doch ohne Erlaubnis fahren, würde sich eh keiner darum kümmern. Übrigens habe ich beruflich seit ein paar Tagen mit dem Verwaltungschef und der Rechtsabteilung des Ministeriums zu tun, da nämlich ein paar Deutschegegen die Artenschutzbestimmungen des Irans vertsoßen haben und seit dem versuchen wir sie vor dem Evin-Gefängnis zu bewahren. Die gute Seite daran ist, dass mich jetzt fast jeder in dem Ministerium kennt und mir die Erlaubnis immer billiger angeboten wird. Ich bleib aber wohl lieber in Teheran, um diese wundervolle Stadt noch einmal richtig kennenzulernen, bevor ich nach Hause fliege. Wildschweine hatte ich jetzt genug. Teheran hat aufgrund der politischen Lage nämlich auch interessante Eigenheiten. Zum Beispiel das Ausgehverhalten der Teheraner, man setzt sich nämlich in ein Auto und fährt auf die Shariati oder die Africa (vormals Jordan) hoch und runter und tauscht mit Autos die mit dem anderen Geschlecht besetzt sind Telefonummern aus. Das tolle daran ist, dass in dieser Stadt ja eh auf den Strassen nichts vorangeht und wenn man dann in diese „Disco Teheran“ gerät, man wirklich alles vergessen kann. Auch kommt es bei diesem Ausgehverhalten schon mal zu Verfolgungsjagden, schliesslich ist eine Iranerin nicht leicht zu überzeugen und tatsächlich hat ein Freund von mir seine Ehefrau kennengelernt, als er deren Auto gerammt hat. Auch toll ist hier das Einkaufen von DVDs. Copyright gibt es zwar nicht, aber ne Menge verbotener Filme. Ein Einkauf läuft daher ungefähr so ab: Ich betrete mit einem iranischen Freund ein unscheinbares Bürogebäude . Mein Freund nickt einem fliegendn Händler am Eingang freundlich zu, dieser erwidert unaufällig. Wir gehen drei Stockwerke hoch. Leise klopft mein Begleiter gegen eine Bürotür. Die Tür wird ein spalt geöffnet. Ein Mann mustert mich, erkennt zum Glück meinen Freund. Kurzes „baba“. Wir betreten das kleine Büro. Ein Typ mit Rolex und Goldkette sitzt hinter dem Schreibtisch, davor eine typische iranische Bürolandschaft. Mehrere Leute gehen leere Hüllen von DVDs durch. Wir setzen uns dazu und wählen schliesslich vier aus. Name wird notiert und nach einer halben Stunde können wir dann die DVDs abholen. Neben Disco Teheran und DVDs kaufen hatte ich aber noch ein ganz besonderes Erlebnis. Das Polkalhalbfinale zwischen Perspolis und einem Isfahaner Team. Perspolis ist der grösste Fussballclub des Irans und wird in Teheran einfach nur die Roten genannt. Als Teheraner ist man entweder Fan der Roten(Arbeiter) oder der Blauen(Ex-Schah), die anderen Clubs spielen keine Rolle. Perspolis hat aber leider seit Jahren nichts mehr gewonnen und ein Pokalsieg bedeutet die Teilnahme an der asiatischen Champions League. Da dieses Jahr das andere Halbfinale schwach besetzt war, war das Spiel gegen Isfahan so etwas wie das Endspiel. Wir kauften uns also Karten auf dem Schwarzmarkt und betraten das Azadi Sportstadium. Der Block für den unsere Karten waren, war natürlich drei Stunden vor Spielbeginn schon voll und wir mussten auf die obere Tribüne ausweichen. 140.000 junge Männer (Frauen dürfen keine halbnackten Männer beim Sport betrachten) erwarteten also nun ein grossartiges Spiel. Los ging es mit typischen iranischen Chören, dabei wurde der populäre Slogan der iranischen Regierung „Wir haben das Recht auf die friedliche Nutzung der Atomenergie“ immer wieder skandiert. Allerdings in der doch eher unbekannte Fassung: „Wir haben das Recht auf die fiedliche Nutzung der Pussies Euer Mütter“. Da Sprechchöre als Ausländer immer so eine Sache sind habe ich mich lieber am Hüpfen und Tanzen beteiligt, was aber auch sehr viel Spass gemacht hat. Wegen des Traffics bin ich dann in der 86Minute beim Spielstand von 1:0 für Perspolis gegangen, dass Spiel endete dann 4:1 für Isfahan. Wieder mal kein Titel für Perspolis also. So nun aber ein schnelles Xodafez und auf ein Wiedersehen in Deutschland


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