Afghanistan in progress
parameluniversum am Dienstag, den 1. Juli 2008
Woran man sich orientieren soll wenn sich gerade alles verändert oder in Frage gestellt wird ist eines der Grundprobleme die mir hier immer wieder begegnen. Hauptverkehrsstrassen werden zu Einbahnstrassen, Steuern werden eingeführt und wieder abgeschafft, die Zeitung schreibt von Millionen Spenden für die Bildung die ein halbes Jahr später um die Hälfte gekürzt werden, manchen Frauen darf man die Hand geben und kaum habe ich mir den Namen eines Dekans gemerkt, ist er schon wieder abgesetzt. Ein Großteil der Minister besteht aus Afghanen die ihr halbes Leben im Ausland verbracht haben, Akademiker die von internationalen Universitäten in die afghanische Politik wechseln und nun versuchen Entscheidungen zu treffen die Paschtunen, Tadschiken, Hazara und Uzbeken, Modernisten und Traditionalisten, Frauen und Männern, Kommunisten und Kapitalisten gerecht werden. Gesellschaftliche Strukturen die nach Jahrzehnten der inneren Zerrissenheit so etwas wie eine gesamtafghanische Mentalität fördern könnten sind zwar im Aufbau, doch Vertrauen in Institutionen bildet sich nicht über Nacht aus. Ob jemand Hazara, Kommunist oder Exilafghane ist spielt nach wie vor die größte Rolle, im Privaten wie auch in der Öffentlichkeit. “Nachhaltigkeit” ruft die internationale Gemeinschaft, “wir brauchen aber Abends Licht” ruft das Ministerium und gibt dem Anbieter mit der schnellsten Lösung den Zuschlag für die Stromversorgung. Wer nicht weiß ob er morgen noch seinen Job hat, braucht manchmal eilig Ergebnisse die seine gute Arbeit beweisen um dann mit größerer Rückendeckung auch langfristiger planen zu können. Und so manches Provisorium wird nach Jahren treuer Dienste schließlich doch noch ein richtiger Flughafen!





