Archiv der Kategorie ‘Kirgisistan‘

Wahlen, Wahlen und Wahlen

turnvater am Sonntag, den 18. November 2007

Ein „Super Dezember“ für die GUS – Staaten: in Rußland wird die Duma gewählt, in Kirgisien das Parlament und in Usbekistan der Präsident.Wenigstens das Wahlergebnis für Usbekistan dürfte, trotz immer mehr Gegenkandidaten, feststehen: Islam Karimow. Spannend wird nur wie er das juristisch/demokratisch begründen will, immerhin ist er nun seid 18 Jahren an der Macht, obwohl die Verfassung nur zwei Amtszeiten a 7 Jahre (früher 5 Jahre) vorsieht. Verlängerung per Referendum und Verlängerung der Amtszeit per Gesetz hat er schon benutzt. Mein Tip: die ersten 10 Jahre werden als Sonderzeit des Umbruches bewertet, daher tritt er jetzt formaljuristisch erst zum zweiten Mal an.Hier in Kirgisien geht es da schon spannender zu, schliesslich sitzt Bakijew nicht so fest im Sattel wie manch einer seiner Kollegen. Es kommt auch tatsächlich regelmäßig zu Demonstranten, wie die örtliche Presse und Freunde hier mir berichten. Demonstrationen auf welche dann Verhaftung bzw. Arreste wegen Störung der öffentlichen Ordnung folgen. „Öffentliche Ordnung“ ist ja unser allerliebster Rechtsbegriff aus dem Polizeirecht. Beispiel gefällig: neulich soll jemand ein Plakat hochgehalten haben, welche eine Affen gezeigt hat mit der Unterschrift „Ihn interessiert es nicht, wer ihn regiert“, dies störte den Geschäftsbetrieb eines angrenzenden Restaurants so sehr, daß die Polizei vorsorglich Verhaftung durchführte. Die Leute wurden dann aber schnell wieder freigelassen, im übrigen entschuldigt sich die Polizei hier schon mal für falsche Verhaftung. Demokratie ist halt keine einfache Sache für Polizisten.Was Putin angeht kann ich nur sagen: Just do it! Nur gibt bitte unseren OSZE-Beobachtern Visa.

Der Hummer das Lieblingsauto jeder Zentralasiaten

turnvater am Samstag, den 10. November 2007

Schaut man auf die Strassen Zentralasien, sieht man den Hummer immer und immer wieder. Gestern in Bishkek z.B. habe ich bei 1 Stunde unterwegs: einen grauen, einen gelben und einen schwarzen gesehen. ich überlege für zentralasiatische Städte eine Hummerskala einzuführen. Hier ein paar Fotos von der Schönheit.

Osh, ne Menge Usbeken und ein toter Journalist

turnvater am Donnerstag, den 8. November 2007

Osh ist die zweitgrößte Stadt Kirgisiens, liegt an der usbekischen Grenze und ist Zentrum des kirgisischen Teils des Ferganatals. Die Region ist bäuerlich, d.h. seßhaft geprägt, da sie extrem fruchtbar ist. Im Gegensatz zum nomadischen Norden ist die Bevölkerung daher sehr islamisch verwurzelt. Eine Beobachtung die ich selbst im Sammeltaxi von Osh nach Taschkent machen konnte, eine Usbekin aus Osh die sich auf der engen Rückbank des usbekischen Daewoo mit uns die acht Stunden befand, vergaß nicht regelmäßig zu beten, während ich mich nach der Zeit erkundigte um die Ankunft abschätzen zu können, fragte sie nach um kein Gebet zu verpassen. Dieser islamische Hintergrund hat übrigens auch zwei islamische Bewegungen hervorgebracht, das Islamic Movement of Uzbekistan (IMU) und die Hizb ut-Tahrir. Über das IMU wurde zuletzt bei Kämpfen im Norden von Pakistan berichtet und spielt scheinbar keine große Rolle mehr seid Afghanistan als Rückzugbasis weggefallen ist. Die Hizb ut-Tahrir kennt ihr schon aus meinem Bericht über den Kopftuchstreit in Kirgisien.Der grösste Teil des Ferganatals liegt übrigens in Usbekistan, einschließlich der Stadt Andijan, welche berüchtigt ist für die Vorfälle aus dem Jahr 2005. Vorfälle meint dabei die Erschießung hunderter Einwohner durch das usbekische Regime, was in Europa auch dank des Falles des ehemaligen britischen Botschafters in Usbekistan, Craig Murray, bekannt wurde. Klickt seinen Namen an und ihr werdet zu seinem sehr lesenswerten Blog weitergeleitet.Kurz bevor ich übrigens in Osh ankam wurde dort der usbekische Journalist und Zeitungsherausgeber Alisher Saipov (26) erschossen. Wie die „The Times of Central Asia“ und die taz berichten, war er ein bekannter Kritiker des usbekischen Regimes. Der ermordete Journalist Saipov ist nicht der erste tote Journalist, der sich mit dem Ferganatal beschäftigt, allerdings ein besonders exponierter. Der usbekische Geheimdienst wurde dann auch schnell durch Freunde und Kollegen des Toten als Auftraggeber des Mordes ausgemacht.Der kirgisische Präsident hat darauf die Untersuchung nun zur Chefsache erklärt, mit dem Ergebnis, daß es nun erste Spuren geben soll, die jedoch nicht Richtung Usbekistan sondern Richtung Hizb ut-Tahrir führen. Man darf gespannt sein, wie die Sache sich weiter entwickelt.Hier ein Bild von Osh vom moslemischen heiligen Berg Suleimans Thron um den die Stadt gebaut hat. Dort wo ich stehe soll schon Mohammed gepredigt haben! Allah Akbar

Herbst in Bishkek

turnvater am Sonntag, den 21. Oktober 2007

So hier ein paar schöne Bilder die nächsten Beiträge sollten dann allerdings wieder spannender werden: Russen in Islamisierungskursen und Sir Norman Foster in AstanaIn dem Stadion hat am selben Tag dann noch Kirgisien Jordanien in der WM-Quali 2:0 geschlagen.

Darwin’s Nightmare in Kirgisien

turnvater am Freitag, den 19. Oktober 2007

Nargizas Bruder ist ein leidenschaftlicher Angler und gestern kam er von einem Angeltrip 80 km von Bishkek entfernt mit zwei seltsamen exemplaren von Fischen an. Er erzählte, dass es sich bei den Fischen um Snakeheads handeln würde, die aus China eingschleppt worden sind. Der See indem sie sich festgesetzt hätten, würde mittlerweile nur noch Snakeheads enthalten. Dank Wikipedia und der sueddeutschen habe ich dann festgestellt, dass dasselbe Problem gerade in Washington auftritt. Wie schön in einer globalisiert Welt zu leben, wo der chinesische drang nach heimischen Essen “top-level predators” rund um die Welt verteilt.


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